Sydney 13 - Montags beim Zahnarzt und Fluppenrein

Sali zämme und G’day mates. Die letzte Woche an der Uni hat angefangen, aber davon erzähle ich euch erst nächste Woche, da ich jetzt erstmal einen Rückblick zur vergangenen Woche mache. Soweit alles klar. Gut.
Freitag vor einer Woche habe ich den letzten Blog hoch geladen.  An dem Tag selbst habe ich nicht viel gemacht. Bin in die Vorlesung um vier und danach wieder nach Hause.
Am nächsten Tag war ich mit Einkäufen und Wäsche machen beschäftigt. Abends war ich mit Dave und seinen Freunden verabredet, um eine Comedy Show im Enmore Theater anzusehen. David holte mich ab und wir nahmen ein Uber zu einer Pizzaria in der Nähe des Treffpunktes. Es war 18 Uhr abends und er meinte, dass er am liebsten immer so früh essen würde. Er fragte mich auch wie leicht es sei eine Sprache zu lernen wie Deutsch. Ich antwortete wie immer wahrheitsgemäss. Das hänge von der Begabung einer Person ab. Manchmal habe ich das Gefühl, das man mit der Schweizer Bescheidenheit/Understatements und vor allem der direkten Ehrlichkeit Leute auch entmutigen kann. Wir denken, dann als Schweizer: «Aber ich kann die Leute doch nicht anlügen.». Schön und gut. Jemanden ermutigen sollte dann aber nicht so schwer sein. Ich kann das eine nicht ohne das andere tun in dem Moment. Das ist dann etwas unnötig. Man kann ja die Leute ermutigen, damit sie anfangen und mit der Wahrheit rausrücken um Empathie zu zeigen, wenn sie sich dann beklagen.  

Nach dem Essen trafen uns zuerst bei Markus und tranken White Russians. Ich sprach mit Tom über Sprachen, die kulturellen Eigenheiten der Deutschen und Schweizer und über Fussball sowie Cricket. Irgendwann machten wir uns auf den Weg. Wir gingen über Stock und Stein (sprangen über aufklappbare Werbeschilder). Dort angekommen, sah ich ein Mitglied des Germanklubs hinter der Bar. Wie angenehm, wenn ich auf Deutsch bestellen kann. Die Auftritte der Künstler waren lustig. Ich habe etwa 60 % der Witze verstanden. Danach gingen die meisten weiter. David und ich holten uns ein Eis und gingen dann Heim.

Am Sonntag wollte ich morgens die Tramshed sehen. Das ist ein neu renoviertes Tramdepot. Es wurde zu einem Zentrum umfunktioniert. Jetzt gibt es dort einen Supermarkt, etwa 10 Restaurants und ein Bar kleine Geschäfte. Es war hübsch hergerichtet aber zu voll. An einem schönen Sonntag, hatten wohl einige Lust auf auswärts essen. Wir nahmen unser Essen und gingen in den nahegelegenen Park. Wir fanden dann einen Schattenplatz am Rande eines Cricket Spielfeldes. Wir sahen einer Amateurmannschaft etwas zu. David erzählte mir von seiner Zeit als Batman. Dies bescherte ihm immer hin einen dreifachen Nasenbruch. Um drei verabschiedeten wir uns. Abends war ich dann etwas faul und fing an die vierte Staffel von «House of Cards» (US Version) anzusehen.

Am Montag hatte ich dann einen fantastischen Start in die Woche…nicht. Ich hatte einen Zahnarzttermin um Viertel nach neun Uhr morgens. Er hat gebohrt, gespachtelt, modelliert, geschliffen und poliert – und dass bei zwei Zähnen auf derselben Seite. Ja gut. Ich bekam eine Lokalanästhesie und die Schmerzen waren aushaltbar. Bin ja auch selbst Schuld an meinem Karies. Danach bin ich mit meinem halb tauben Gesicht in den Quarter Study Space. Dort traf ich auf Bahja. Die lachte mich erstmal aus, weil ich so schräg aussah. Hier ein Bild.

Ich arbeitete an meinen Assignments und ging um zwei zur Gruppensitzung für die Social Marketing Arbeit. Ich war dann etwas schockiert von den Resultaten der einzelnen Gruppenmitglieder. Habe viel Kritik ausgeübt. Danach ging es ab an die Infoveranstaltung für Masterstudenten für das letzte Semester. Muss mich dann entscheiden, ob ich eine Masterthesis, einen Fachartikel oder ein Praktikum (langsam verliert, das Wort an Reiz) machen möchte. Ich fände einen Fachartikel sehr spannend.

Am Dienstagmorgen hatten wir eine weitere Gruppensitzung für Social Marketing. Ich war angenehm überrascht. Die Leute hatten ihre Texte überarbeitet. Ich musste nur noch ein paar Schreib- und Grammatikfehler korrigieren. Das war eine Erleichterung. Um 12 Uhr fing die letzte Academic English for Postgraduates Vorlesung an. Ich denke ich werde das Anschlussmodul nächstes Jahr belegen. Es war äusserst spannend, herausfordernd und hilfreich. Wieder zurück im Quarter arbeitete ich an meiner Network Society Hausaufgabe. Ich las einen äusserst interessanten Text über Wege, wie man ein Netzwerk stören kann (Mejias U. 2013, Off the network: disrupting the digital World, ch. 5, falls es wen interessiert). Fake-accounts können da eine Hilfe sein, Missinformation und noch vieles mehr. War auf jeden Fall hilfreich, ein Netzwerk mal auf eine andere Weise zu betrachten. Danach ging ich wieder zum Mittelalterklub und anschliessend in den Pub.

Am Mittwochmorgen war dann die Vorlesung zu der spannenden Hausaufgabe. Danach sass ich mit Suzy noch etwas zusammen und wir sprachen über die Semesterferien. Sie plant einen Camping Trip Mitte November und hat mich eingeladen. Ich weiss nicht recht. Zelten ist lustig an Festivals. Ansonsten bin ich ja schon etwas bequem. Mal sehen. Wir treffen uns allerdings definitiv kommenden Mittwochabend, um die letzte Vorlesung des Semesters zu Feiern. Sie ist auch Teil des Network Society Afterparty. Das sind unter anderem Pam, Louise, Bahja, Suzy und ich. Wir stehen nach der Vorlesung immer draussen und plaudern ein wenig oder essen gemeinsam zu Mittag.

Am Nachmittag probten wir in der Social Marketing Gruppe dann die Präsentation. Das lief hölzern. Meine Gruppenmitglieder haben offensichtlich wenig Ahnung von Präsentationskriterien und Methoden. Daran konnten wir leider nichts mehr ändern. Um vier habe ich mich dann verkrümelt und bin über den Campus gestreift bis mich David dann abholte. Wir fuhren etwas rum und assen dann Fish and Chips.

Am Donnerstagmorgen arbeitete ich an ein paar meiner Assignments. Nachmittags holte ich ein paar Kuchengeräte für den nächsten Tag. Ich hatte mir da was eingebrockt. Camilla und ich sprachen über Glühwein und die Schwarzwäldertorte nach dem Rezept meiner Grossmutter vor einer Weile. Da kam mir die Idee daraus einen kleinen Nachmittagstreff zu machen. Ich lud also ein paar Leute ein, bei mir am Samstag sich Glühwein und Schwarzwäldertorte einzuverleiben. Ausgerüstet mit einer Küchenwaage, einem Teigmischer, einem Spachtel und einer Springform ging ich in die Social Marketing Vorlesung und anschliessend Heim.

Den Freitagmorgen verbrachte ich mit Einkäufen für den Samstag. Es haben sich etwa neun Leute bei mir angekündigt, weshalb ich Material für zwei Torten und viereinhalb Liter Glühwein brauchte.  Wieder zuhause machte ich mich sofort ans Werk. Die zwei Küchen waren schnell gebacken. Was ich nicht wusste war, dass Schokoladenspäne selbst zu machen extrem viel Arbeit ist. Da sass ich nun in der Küche und raspelte drei geschlagene Stunden 400 g Schokolade. Als ich fertig war zitterten meine Hände. Verletzt habe ich mich allerdings nicht. Zwischendurch habe ich mit meiner Mutter telefoniert. Es tat gut. Auch wenn ich 26 bin und recht selbständig, Muddi wird immer noch gebraucht und geschätzt.

Danach machte ich mich frisch und ging an eine Wohnungseinweihungsparty einer Freundin aus dem Mittelalterklubs. Sie und ihre Katze zogen in die Nähe von Bondi Beach. Ich kam eine Stunde zu spät um acht Uhr abends an. Die Mehrheit war bereits mächtig angetrunken. Jedoch kann ich bestätigen, dass die Leute unschuldig sind. Paddy hat seinen berühmt berüchtigten 14 prozentigen Cider, den er immer selbst braut, mitgebracht. Der Cider ist äusserst hinterhältig. Er macht einen nicht stückchenweise betrunken sondern lässt einen lange nüchtern wirken bis er auf einmal mit einer ungeheuren Wucht seine volle Wirkung entfaltet. Glücklicherweise haben ein paar Leute Pizza bestellt, damit die Leute wieder etwas ausnüchtern konnten. Ich war dann recht geschafft und habe mich um zehn wieder auf den Heimweg gemacht.

Am Samstag haben Jacob und ich zusammen gebruncht und dann angefangen den Kuchen zu einer Torte zu machen und den Glühwein zu kochen. Die Leute tropften dann stückchenweise  ein und ich bekam meine Komplimente. Es war schön die Leute aus verschiedenen Bereichen meines Lebens zusammen zu sehen. Sie blieben bis etwa acht Uhr abends. Jacob überredete alle zu Camille und Igors Tanzshow zu gehen. Ich war allerdings wieder recht müde und ging mit David nach Hause. Wir schauten uns einen Teil des Tarantino Films „Reservoir Dogs“ an bevor ich einschlief.

Am Sonntag brunchten wir wieder im Café an der Abercrombie Street in der Nähe des Campus‘. Anschliessend gingen wir noch ein paar Dinge für David einkaufen. Wir liefen durch kreuz und quer durch die ganze Stadt. Es war ein schöner Tag und ich habe jetzt eine neue Sonnenbrille. Zuerst waren wir im Broadway Shopping Center, gingen danach weiter zu Paddy’s Market in Chinatown und danach alles wieder zurück zu mir nach Hause nach Annandale. Er ging zu sich Heim und ich schaute mir ein paar Folgen von House of Cards an. Da war ein komischer Moment. Es muss wohl eine Kombination aus meinem nicht rauchenden Freund, der niedrigen Zahl der Raucher in Australien, der hohen Preise für Tabak, der Gesetzeslage, welche mich zwang weit weg von allen Menschen eine Zigarette anzuzünden und meiner Social Marketing Vorlesung gewesen sein, die diese Wirkung bei mir hervorrief. Ich hatte Lust auf eine Zigarette und wollte bei der Serie auf „Pause“ klicken. Ich streckte meine Hand aus, zog sie wieder zurück und dachte: „Nö. Ich will jetzt eigentlich keine rauchen. Ich versuche jetzt einfach mal meine Serie weiter zu schauen.“.

Ich habe seit letztem Sonntag um zehn nach fünf  Uhr abends keine Zigarette mehr angerührt.

Der Montag war kein Zuckerschlecken. Ich sass im Quarter und habe nichts gebacken bekommen. Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, weil ich so gierig auf eine Zigarette war. Ich war dann fast schon froh, dass ich noch einen letzten Zahnarzttermin um ein Uhr hatte. Der wurde um eine halbe Stunde verschoben. Das wäre normalerweise kein Problem. Dumm nur, dass ich für gewöhnlich eine rauche, wenn ich auf etwas warte. Anstatt gierig auf eine Fluppe zu sein, beschloss ich die zusätzliche Zeit mit einem Spaziergang zu füllen und gute Musik zu hören. Beim Zahnarzt wurde dann wieder an einem Zahn gebohrt, gefüllt und geschliffen. Danach war meine eine Gesichtshälfte wieder taub und hing so ein bisschen rum. Ich beschloss nach dem Zahnarzt einen langen Spaziergang zu machen. Ich ging durch Glebe zur Blackwattle Bay, dem Ufer entlang bis zur Tramshed, wo ich ein paar Einkäufe tätigte. Mein Verlangen nach einer Zigarette wurde ziemlich schlimm, weshalb ich mich entschloss einen Vaporizer zu kaufen. Ich kam kurz vor Ladenschluss im kleinen Vapeshop im Stadtteil CBD an. Ich kaufte mir meinen Vaporizer und die dazugehörige Flüssigkeit mit dem Geschmack namens „Mad Hatter“, die wie Kaugummi schmeckt. Danach trat ich mit meinen drei Taschen, meinem Vaporizor und meiner einen herunterhängenden Gesichtshälfte nach draussen. Ich war so fertig. Ich wollte einfach nur Heim und musste noch ein einhalb Kilometer zum Bus laufen. Da habe ich dann einfach aufgehört mich für die Meinung meiner Mitmenschen zu interessieren. Das klingt jetzt alles etwas traurig, das war es aber nicht. Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein. Ich stampfte mit halb hängendem Gesicht und vollbepackt durch die Stadt während dem ich grimmig drein schaute und immer wieder mal an meinem Vaporizer zog. Ich schaffte es dann endlich nach Hause, wo ich dann meinen Tabak und das Zubehör in Jacobs Zimmer verfrachtete.

Am Dienstag arbeitete ich weiter an meinen Assignments und spazierte recht viel. Habe an den ersten zwei rauchfreien Tagen 31 km zurückgelegt, laut meiner Gesundheitsapp. Ich habe mir auch eine App fürs Nichtrauchen zugelegt. Sie heit „Quit now“ und ist recht hilfreich. Man gibt an, wieviel Zigaretten man rauchte, wie lange man braucht eine zu rauchen, wieviel man bezahlt und wann man aufhört oder aufgehört hat. Danach rechnet die App aus, wie lange man schon nicht geraucht hat, wie viel Zeit und Geld man eingespart hat und wie viele Zigaretten man in der Zeit ausgelassen hat. Zusätzlich informiert sie einen je nach Zeitspanne in der man schon nicht geraucht hat, welche gesundheitlichen Verbesserungen im Körper gerade stattfinden. Es gibt auch Erfolge die freigeschaltet werden, wenn man bestimmte Etappenziele erreicht hat, wie z.B. die ersten 10 Zigaretten nicht geraucht oder der erste Tag als Nichtraucherin geschafft. Wenn man dann den Mut trotzdem etwas verliert, gibt es noch einen Chat, in dem man mit anderen Leidensgenossen sich austauschen kann. Grossartige App. Gegen frühen Abend war dann der letzte Treff des Mittelalterklubs im Semester. Wir gingen dann nochmals zum Forrest Lodge Pub und ich hatte Fish and Chips.

Am Mittwochmorgen sass ich in der letzten Network Society Vorlesung. Das war etwas traurig aber auch erleichternd. Der Lernstoff war hochspannend, philosophisch angehaucht und deshalb auch ziemlich schwer zu verstehen als nicht Muttersprachlerin. Es war ein warmer Tag mit 28° C und bewölktem Himmel. Die Leute der Afterparty und ich sassen dann zusammen auf der Terrasse der Manning Bar gegen Mittag und tranken auf die letzte Vorlesung zusammen. Ich hatte keine Sonnencrème verwendet und bezahlte den Preis später. Ich sah die letzten drei Tage wie ein Hummer aus. Um Vier Uhr machte ich mich auf den Weg nach Hause.

Um halb sechs kam David mich abholen. Wir gingen zuerst etwas essen und dann zusammen Schlittschuhlaufen. Er hat sich ganz anständig gehalten. Ich war allerdings nicht in bester Stimmung dank meines Entzuges. Bei ihm zu Hause schauten wir noch einen Dokumentarfilm über die Gamerszene rund um Donky Kong auf Netflix an.

Am nächsten Morgen arbeitete ich an meinen Assignments und ging abends zur allerletzten (Judihui) Social Marketing Vorlesung. Man hat uns angeboten noch auf ein Bier mit den Dozenten in die Manning Bar zu kommen, aber ich konnte mich einfach nicht überwinden und ging stattdessen nach Hause.

Am Freitag schrieb ich an meinem Network Society Essay und konnte es pünktlich vor der letzten Mobile Media and Games Vorlesung einreichen. Jetzt habe ich nur noch ein einziges Essay zu schreiben und bin danach frei… mir einen Job zu suchen und etwas Reisegeld zu verdienen. Freiheit ist eine Illusion (Setzt eure Alufolienhüte auf, Kinder!). Nach der Vorlesung ging ich direkt zum SUPRA Pub Crawl. SUPRA ist die Studentenorganisation für Postgraduates. Jacob war auch dabei. Irgendwann wurde es dann allerdings etwas langweilig. Da beschlossen wir etwas Wein zu kaufen und mit zwei weiteren Leuten im Schlepptau nach Newtown zu Camilla zu gehen. Sie hatte ein paar Leute bei sich zum Vorglühen für eine andere Party. Dort traf ich zwei Deutsche mit denen ich plauderte. Sie haben beide geraucht. Ach du Schreck. Glücklicherweise, hat es mir zu dem Zeitpunkt gerade nichts ausgemacht. Um elf Uhr nachts wollten dann alle weiter. Nur ich wieder einmal nicht. Ich ging stattdessen nach Hause.

Heute Morgen wachte ich mit einem Brummschädel um acht Uhr auf. Jas schrieb mir kurze Zeit später und fragte, ob wir zusammen in Newtown shoppen gehen wollen. Ich sagte zu und war kurze Zeit später gestriegelt und geputzt mit Kaffee und einem Gipfeli in der Hand wieder in der Stadt unterwegs. Wir schauten uns ein paar Kostüme für die Halloween Parties heute Abend an. Ich beschloss mein Port-Monnaie zu schonen und mein Mittelalteroutfit stattdessen zu verwenden.  Danach gingen wir ins Broadway Shopping Center und schauten nach weiteren Outfits für Jas und ich konnte meinen Wocheneinkauf an Essen erledigen. 

Jetzt sitze ich wieder zu Hause, esse eine Kleinigkeit und werde dann mich für die Party heute Abend umziehen.

Bis demnächst.

pirania light

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